Auf dem Pilgerweg des Vertrauens

1. Teil:

Auf dem Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde nach Indien - wie alles begann

Die meisten von euch wissen, dass ich seit 1999 auf dem Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde, der von Taizé aus geht, unterwegs bin. Aber da es auch Leute gibt, die das nicht so genau wissen, möchte ich etwas davon erzählen. Schließlich hat mich der Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde 2006 nach Indien geführt. Ich sage immer, der Heilige Geist hat mich nach Indien gebracht. Warum? Das ist eine interessante Frage und ich bin dabei die Antwort herauszufinden. Auf alle Fälle bin ich sehr glücklich darüber, denn Indien hat ein Leben verändert - ich bin reich beschenkt worden.

Auf meinem christlichen Pilgerweg bin ich also nach Indien geführt worden und wer Taizé nicht kennt. Alle Info´s dazu gibt es unter www.taize.fr. Und alle, die in Indien auf den spirituellen Weg geführt wurden und jetzt zu ihren spirituellen Wurzeln zurückkehren wollen und einen spirituellen christlichen Zugang suchen, denen empfehle ich, mal in Taizé vorbeizuschauen.

Taizé hat viel von einem indischen Ashram, zumindest kam es mir so vor, als ich von meiner ersten Indienreise zurückkam. Das Jugendtreffen von Taizé in Kalkutta war der Anlass für meine erste Reise nach Indien.

Als ich 2006 nach Indien kam, hatte ich keine Ahnung von dem Land und seiner Kultur, ich hatte keine Ahnung davon, was mich hier erwarten würde. Natürlich hatte ich mich vorbereitet so gut es eben ging. Aber ich wusste eigentlich nichts über den Hinduismus und den Buddhismus. Mein Tropenarzt in München hatte mir gesagt, dass Wichtigste ist Mückenschutz….und so glaubte ich, dass die Mücken über mich herfallen würden, sobald ich das Flugzeug verlassen würde. Nichts dergleichen geschah. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde und wie es mir allein als Frau in dieser fremden Welt gehen würde. Meine einzige Sicherheit waren die Brüder von Taizé in Kalkutta. Mein Vorsatz war – wenn alle Stricke reißen würden – unverzüglich zu den Brüdern nach Kalkutta zu gehen. Dafür gab es keinerlei Notwendigkeit – ganz im Gegenteil - ich wurde liebevoll aufgenommen in diesem Land und es war spannend für mich, diese fremde Welt zu entdecken.

Die Reise für mich vom ersten Moment an eine ganz besondere Erfahrung. Bis dahin hat sich mein Pilgerweg des Vertrauens doch auf sicherem Terrain abgespielt. Vom ersten Moment an, als ich in Indien ankam wusste ich, dass nichts in meiner Hand lag. „In manus tuas pater commendo spiritum meum“ – jetzt wurde es wirklich ernst damit, das eigenen Leben Gott anzuvertrauen. Es war sicher eine der wichtigsten Erfahrungen in meinem Leben. Und es verschaffte mir einen Zugang zu einem Land und seiner Kultur, den ich auf andere Art so sicher nie bekommen hätte. So wurde die Begegnung mit dem Land und den Menschen in Indien für mich eine Zeit intensiver Gotteserfahrung.

Hier die Geschichte, wie alles begann:

Ich saß im Taxi, mein Gepäck im Kofferraum, alles was ich besaß -  und ich merkte, dass ich ganz auf den Taxifahrer angewiesen war – ausgeliefert war. Würde er mich dahin bringen, wo ich hinwollte? Mein Leben Gott anzuvertrauen, war nichts neues und unbekanntes für mich, doch in dieser Situation war es für mich unabdingbar, auf Gott zu vertrauen, dass er mich beschützen möge.

Ich wusste nicht, dass die Fahrt im Taxi 1 ½ Std. dauern würde. Es wurde dunkel und es regnete in Strömen. Ich kam mir vor wie in der Rocky Horror Picture Show….Nach ca. 1 ½ Stunden bog das Taxi in einen Feldweg ab, immer noch hämmerte der Regen auf das Autodach. Es war stockdunkel. Der Taxifahrer öffnete das Fenster, und schrie etwas aus dem Fenster. Neben uns war eine Art Hütte mit Strohdach in der einige Männer saßen, der Regen passelte so laut, dass es fasst unmöglich war etwas zu verstehen. Scheinbar waren wir richtig. Wir fuhren ein paar Meter weiter, dann hielten wir erneut. Der Fahrer sagte mir, wir sind da! Immer noch stockdunkel…. Ich stieg aus, holte meinen Regenschirm und meine Taschenlampe aus meinem Gepäck, lies mir den Autoschlüssel geben – und mutig machte ich mich auf in die Dunkelheit. Auf war auf dem Gelände eines Guesthouses, es gab Hütten und es war, als würde ich durch einen Dschungel laufen, kein Licht. Dann kam ich zu einem größeren Gebäude, ich rief – hallo, hallo – und hoffte, dass mich jemand hören würde….Und tatsächlich, nach einiger Zeit ging ein Licht an und es kam jemand aus einer Hütte verschlafen auf mich zu – hello miss…. Ich bekam meine Hütte und war erst mal angekommen – Gott sei Dank! Cool

2. Teil: Gott ist nur Liebe....

So habe ich versucht liebevoll auf die Menschen und auf die Welt hier zuzugehen - und siehe da, ich war überrascht. Die Sprache der Liebe hat mir alle Türen und Tore in diesem Land geöffnet, vor allem die Türen zu den Herzen der Menschen. Ich habe in dem Land so viel Liebe erfahren, dass ich den Eindruck habe, dass ich diese Liebe niemals zurückgeben kann. Menschen haben mich in ihre Häuser und Familien eingeladen, haben mir geholfen, wenn ich Hilfe brauchte. Als ich im Zug nur 500 indische Rupee hatte, zuviel um damit Wasser zu kaufen, weil no change, hat jemand anders für mich das Wasser gekauft. Und als ich in einer dieser Situationen, die mich so fassungslos machten gefragt habe, warum tun sie das für mich? Kam die Antwort – you are our guest and we do all for our guests  (sie sind unser Gast und wir tun alles für unsere Gäste). Ich war zu Gast in diesem Land und habe eine Gastfreundschaft erfahren, die ohne gleichen ist. Fremde, die alles für einen tun. Und dann der Satz aus der Bibel „Gott ist die Liebe….“. Noch nie in meinem Leben hatte ich so viel Liebe erfahren. Woher kam diese Liebe – wo doch all diese Menschen, denen ich da begegnet bin Hindus waren – Menschen, die die Bibel und unsere Gottesvorstellung nicht kennen. Scheinbar doch – und scheinbar, das war meine Erfahrung, kennen sie unseren Gott der Liebe Herzbesser als wir?!? Diese Frage hat mich begleitet und beschäftigt.

 

3. Teil: Unterwegs zu verschiedenen spirituellen Orten - unterwegs zu den Göttern...

Unterwegs zu den Göttern - in meinem Indienreiseführer steht: für die meisten Inder ist die Anwesenheit des Göttlichen im Alltag eine unbestrittene Tatsache.

Ich muss sagen, das ist es auch, was mich hier fasziniert und was diese Welt für mich völlig unterscheidet von unserer Welt, wo Gott zunehmend keine Rolle mehr spielt.

Neben dem Göttlichen im Alltag gibt es aber auch unzählige Heilige Orte, Ashrams... wo Glaube, Spiritualität und Religion lebendig sind. Die Spiritualität, die ich hier erlebt habe ist sehr weit - immer geht es um universelle Liebe, um Frieden und Licht. Omh shanti!

So kam ich auf meiner ersten Reise zuerst in den Ashram von der Amma. Als ich bei Dunkelheit mit der Rikshah in der Nähe des Ashrams ankam - drangen ihre Gesänge in mein Ohr – die ganze Welt - Backwaters, Palmen...- die ganze Atmosphäre war erfüllt von den Klängen ihrer Musik. Es war wunderbar. Und so bin ich dann nach einer kurzen Zeit der Meditation und des Wahrnehmens dieses Ortes mit dem Boot über die Backwaters gefahren worden zum Ashram. Es war eine bewegende Erfahrung für mich – so viele Menschen, die spirituell unterwegs waren – es war für mich der Himmel auf Erden – und auch die Lehren von der Amma konnte ich gut mit meiner christlichen Gottesvorstellung verbinden.

Dann kam ich zum Taizé Treffen nach Kalkutta. Es war schön, dort zu sein - vertraut und es war mir bewußt, dass Taizé mein Zugang war, zu all diesen Erfahrungen. Das Treffen selbst war, wie alle Taizé-Treffen und ich war froh, als ich wieder alleine unterwegs sein konnte – unmittelbar im Kontakt mit diesem fremden Land und seinen Menschen – in unmittelbarer Gottesbeziehung.

Nach Kalkutta reiste ich weiter nach Bodhgaya, dem Ort, wo Buddha erleuchtet wurde. Der Geburtsort des Buddhismus. Ich lebte dort für ein paar Tage in dem tibetischen Kloster mit den Mönchen. Jeden Morgen ging ich zur Mediation mit den Mönchen und den ganzen Tag verbrachte ich in dem zentralen Klostergelände rund um den Bodhybaum der Erleuchtung. Es war eine tolle Erfahrung von Stille und Meditation und zugleich hatte ich interessante und bewegende Begegnungen mit den Menschen dort. Nach ein paar Tagen in dieser friedlichen Atmosphäre an diesem bedeutenden buddhistischen Ort bin ich aufgebrochen nach Varanasi. Ich war mir nicht sicher, ob ich wirklich in diese große und voraussichtlich laute Stadt aufbrechen wollte, Kalkutta war mir noch in Erinnerung, laut und kaum Luft zum Atmen. Irgendwie wäre ich gerne in Bodhgaya geblieben….

Doch dann kam alles anders als erwartet. Varanasi, die heiligste Stadt der Hindus, hat  mich völlig verzaubert. Besser gesagt, der Ganges, die Menschen, die spirituelle Musik…. Früh morgens bin ich aufgestanden, habe ein Ruderboot gemietet und bin mit der aufgehenden Sonne auf dem Ganges entlang dieser wunderbar alten Stadt entlang auf diesem heiligen Fluss gefahren. Das Licht der Sonne auf dem Wasser; Menschen, die frühmorgens zum Ganges kommen, um ein Bad in dem heiligen Fluss zu nehmen, Puja am Wasser, Segnungen, Gebet, Lichter, die aufs Wasser gesetzt werden….Alles hat mich völlig fasziniert. Ich habe Varanasi als einen sehr heiligen Ort erlebt, ein Ort voller Hingabe an Gott – und ich sah und spürte, wie von hier aus ganz viel Licht in diese Welt ausgesandt wird – Varanasi eine Quelle des Lichts für diese Welt. Ich war inzwischen mehrmals dort.

Meine erste Reise ging weiter nach Agra zum Taj Mahal an eine muslimischen Ort. Und in Agra hatte ich dann sogar die Ehre, dass ich in die Moschee eingeladen wurde. So konnte ich auch einen muslimischen Gebetsort besuchen, was mir als Frau bis dahin verschlossen  war. Indien ist nach Indonesien und Pakistan das Land mit den drittmeisten Moslems auf dieser Welt. Und auch wenn die Moslems hier nur 14% der Bevölkerung ausmachen, ist das doch eine ganze Menge und so prägt der Islam auch ganz deutlich das Bild von Indien.

Es gibt besonders in Kerala sehr viele Christen und war ich besonders bei meiner ersten Pilgerreise besonders auch daran interessiert, das Christentum in dieser fremden Kultur kennenzulernen. Ich habe inzwischen Orte gefunden, die für mich interessant sind. Auf meiner ersten Reise war ich eher enttäuscht, weil die Kirchen eher so sind wie bei uns und ich diese fremde, interessante und reiche spirituelle Kultur dort nicht entdecken konnte.
Ich freue mich, dass ich inzwischen auf Shantivanam gestoßen bin, den Ashram von Bede Griffith und ich in Pater Sebastian Painadath einen guten christlichen spirituellen Lehrer gefunden habe, der das Christentum und die indische Philosophie verbinden kann.

Und warum schreibe ich das alles? Die Erfahrungen die ich auf meiner ersten Reise in Indien gemacht habe, gerade auch in der Begegnung mit Menschen anderer Religionen und einer fremden Kultur, haben mich neugierig gemacht mehr zu verstehen von dieser fremden Welt und so bin ich die letzten Jahre immer wieder hierher gereist und dies ich auch die Motivation meine Sabbatzeit hier zu verbringen.

 

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Neueste Kommentare

13.09 | 23:44

Liebe Andrea

Durch deine Texte fühle ich ein Ankommen in mir - ein Ankommen
in mein Herz - in meinen Urgrund - in die Tiefe meines Herzens

Carola Waldvogel :-

...
10.08 | 16:13

Liebe Andrea!
Deine Worte wirken! Schon beim Durchlesen macht sich eine "Herr"liche Ruhe in mir breit.
Danke, Marion

...
12.06 | 11:02

Hoooooo andruuuuuuuu its very wonderful very wonderful........

...
12.06 | 10:42

U r great andreaaaaaaa. .

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